Astronautenleben
Was Astronauten sehen und hören: erlebe es in der Simulation
In weniger als zehn Minuten bringt ein Start die Besatzung von einer sonnigen Startrampe in den schwarzen Himmel des Orbits. Das Licht verändert sich, der Lärm erreicht seinen Höhepunkt und verschwindet dann, und die Erde wird zu einem gekrümmten Horizont mit dünnem blauem Rand. Hier steht, was Astronauten wirklich sehen und hören und wie du es von einem Passagiersitz aus nacherleben kannst.

Astronauten beschreiben die ersten Minuten eines Flugs als Folge sehr verschiedener Welten: ein donnernder, rüttelnder Aufstieg, eine plötzliche Stille, wenn die Triebwerke abschalten, und dann ein Anblick, den kein Foto ganz einfängt.
Alles Folgende beruht auf Angaben der NASA und auf der Physik der Atmosphäre. Die Simulation von LIFTONAUT bildet dieselbe Abfolge nach, auf der Tour Erdorbit und am Anfang jedes längeren Flugs.
Was ein Astronaut sieht: von der Rampe zum Horizont
Auf der Rampe ist die Aussicht alltäglich: Himmel, Turm, Küste. Beim Aufstieg dunkelt der Himmel von Blau über tiefes Violett zu Schwarz ab. Das Blau des Taghimmels entsteht, weil die Luft Sonnenlicht streut; ab einigen Dutzend Kilometern Höhe ist dafür nicht mehr genug Luft da.
Aus dem Orbit wirkt die Erde nicht mehr flach. Der Horizont ist gekrümmt, und die gesamte Atmosphäre zeigt sich als dünnes, leuchtendes Band am Rand, denn fast die ganze Luft liegt unter 30 km. In etwa 400 km Höhe umrundet ein Raumfahrzeug den Planeten in rund 92 Minuten, die Besatzung erlebt also etwa 16 Sonnenaufgänge und 16 Sonnenuntergänge pro Tag.
- Bei Nacht erscheinen Städte als Netze aus Licht, und Blitze flackern in den Wolken wie Kamerablitze.
- Über dem nächtlichen Horizont leuchtet in etwa 100 km Höhe ein schwaches grünes Band, das Airglow.
- Die Sterne funkeln nicht: Das Funkeln entsteht durch bewegte Luft, und die gibt es vor dem Fenster nicht.
Was ein Astronaut hört: Donner, Funk, Stille
Countdown und Zündung
Der Countdown kommt über das Headset, nicht durch die Außenhaut. Bei der Zündung ist der Schall ein tiefes Grollen, das man im Sitz mindestens so sehr spürt wie hört. Ein Start ist so laut, dass die Rampen Wasser einsetzen, um die Rakete zu schützen: Für Artemis II war die Anlage der NASA darauf ausgelegt, beim Abheben rund 400.000 Gallonen freizusetzen, etwa 1,5 Millionen Liter, auch um den Schall zu dämpfen.
Max Q und die bebende Kabine
Etwa eine Minute nach dem Abheben passiert die Rakete Max-Q, den Moment, in dem sie schnell fliegt und die Luft noch dicht ist, sodass die aerodynamische Belastung ihren Höhepunkt erreicht. Die Fahrt ist dann am ruppigsten, und oft werden die Triebwerke gedrosselt, um die Last zu mindern.
Triebwerksabschaltung und die plötzliche Stille
Wenn die Triebwerke der ersten Stufe abschalten, verschwinden Lärm und Schub auf einen Schlag, und alles Lose beginnt zu schweben. Nach wenigen Sekunden zündet die zweite Stufe, und der Schub kehrt zurück, sanfter, bis das Schiff den Orbit erreicht.
Warum im Weltall Stille herrscht (und was man doch hört)
Schall ist eine Druckwelle, die sich durch Luft, Wasser oder Gestein ausbreitet. Im Vakuum des Weltalls gibt es fast nichts, was ihn tragen könnte; die NASA sagt es schlicht: Im Vakuum fehlt der Schall. Eine Explosion vor dem Fenster bliebe völlig lautlos.
Im Inneren eines Raumfahrzeugs ist es anders, denn die Kabine ist mit Luft gefüllt. Lüfter, Pumpen und Luftsysteme laufen ständig; auf der Internationalen Raumstation sind sie so präsent, dass die NASA jedes Hardware-Teil auf Lärm prüft, um Gehör und Schlaf der Crew zu schützen.
Dein Platz in der Kabine: der Blick aus dem Fenster
In LIFTONAUT blicken alle zehn Sitze auf fünf Fenster, und die hintere Reihe sitzt 45 cm höher, um über die vordere hinwegzusehen. Du schaust von deinem Platz aus, kannst dich durch Ziehen umsehen oder zur Fenster-, Verfolger- oder Bodenkamera wechseln.

Die Simulation folgt der echten Abfolge: Der Himmel dunkelt ab, wenn die Luft dünner wird, Triebwerksklang und Kamerawackeln wachsen mit Schub und Luftdruck, und die Flamme weitet sich, wenn der Druck um sie herum sinkt.
Kontrollzentrum: wer wann mit der Crew spricht
Bei echten Missionen spricht das Flugkontrollteam über eine einzige Stimme mit der Besatzung, den Capsule Communicator oder CAPCOM, damit die Anweisungen klar bleiben. In LIFTONAUT hörst du denselben Aufbau: Der Flugdirektor führt die GO/NO-GO-Abfrage durch, die Liftonaut-Kontrolle ruft jeden Meilenstein im Funk aus, die Kommandantin spricht über die Bordsprechanlage, und ein Guide erklärt, was du siehst.
Auch Deutschland spielt in dieser Kette eine Rolle: Das europäische Columbus-Labor der Raumstation wird vom Columbus Control Centre im DLR-Standort Oberpfaffenhofen bei München betreut. Und mit Alexander Gerst, der 2018 als erster Deutscher die Raumstation kommandierte, und Matthias Maurer, der von November 2021 bis Mai 2022 an Bord war, haben deutsche Astronauten viel über den Alltag im Orbit berichtet.
Probier es aus: ein kostenloser Probeflug in den Orbit
Der kostenlose Probeflug umfasst Countdown, Start, Max-Q, Stufentrennung, Orbit und den Flug zum Mond, ohne Konto. Die Tour Erdorbit für 0,99 € bringt eine volle Runde um den Planeten mit Sonnenauf- und -untergang und einem Vorbeiflug an der Raumstation. Mehr über den Start selbst steht auf unserer Seite zum Raketenstart-Simulator.
Fragen zum Astronautenleben
Was sieht ein Astronaut im Weltall?
Einen schwarzen Himmel auch bei Tag, den gekrümmten Erdhorizont mit dünnem blauem Atmosphärensaum, im niedrigen Orbit etwa 16 Sonnenauf- und -untergänge pro Tag, bei Nacht Stadtlichter und Blitze sowie Sterne, die nicht funkeln.
Was hört ein Astronaut im Weltall?
Im Inneren des Raumfahrzeugs das Summen von Lüftern und Pumpen und die Stimmen im Funk. Draußen nichts: Schall braucht Luft, und das All ist fast ein perfektes Vakuum.
Können sich Astronauten im Weltall hören?
Im Inneren der Kabine ja: Sie ist mit Luft gefüllt, man spricht normal. Bei einem Weltraumspaziergang nutzen sie Funkgeräte in den Anzügen, weil Schall das Vakuum zwischen ihnen nicht überbrücken kann.
Wie viel g halten Astronauten beim Start aus?
Einige g. Das Space Shuttle drosselte seine Triebwerke zum Beispiel so, dass die Beschleunigung im letzten Teil des Aufstiegs bei 3 g blieb. Der LIFTONAUT-Aufstieg erreicht kurz vor der Triebwerksabschaltung knapp über 3 g, auf den Instrumenten zu sehen, aber nicht zu spüren.
Kann man die Chinesische Mauer aus dem Weltall sehen?
Vom Mond aus nicht: Die NASA nennt das einen Mythos. Aus dem niedrigen Erdorbit ist sie mit bloßem Auge schwer oder gar nicht zu erkennen, weil sie schmal und der Umgebung farblich ähnlich ist; Fotos, die sie zeigen, entstanden mit starken Objektiven.
Quellen
Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus diesen offiziellen Quellen.
- NASA Space Place · How Scary Is Space? (sound in a vacuum)
- NASA · Space Station Facts and Figures (16 orbits a day)
- NASA · Earth's Atmosphere: A Multi-layered Cake
- NASA · Kennedy teams complete water flow tests for Artemis II (2024)
- NASA · Acoustics and Noise Control
- NASA · The Space Shuttle (3 g limit)
- NASA · Great Wall (Earth from space)
- DLR · Columbus Control Center (Col-CC), Oberpfaffenhofen
- ESA · Alexander Gerst
- ESA · Matthias Maurer